2012 Warum Frankensteins Tochter so heißt wie sie heißt

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2012 Warum Frankensteins Tochter so heißt wie sie heißt

Beitragvon Peter » Mi 23. Mai 2012, 14:04

Warum Frankensteins Tochter so heißt wie sie heißt.

Oder: Als ich im Mittelpunkt der Welt war

Ein Gedankenprotokoll von Franz Josef Schermer (FJS), der 1976 den Slogan „Frankensteins Tochter“
für die Kawasaki Z900 damals publik machte


Mitte der 1970er-Jahre ist schon verdammt lange her.


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Wir waren das „Test Team“ von MOTORRAD und fuhren was wir wollten (und was die Leser gut fanden):
Ducati 750 SS Desmo, Honda CB 350/400/500/550 und 750 Four, Kawasaki Z 900 und die
Dreizylinder-Zweitakter, Laverda 750 SFC und 1000-3C, Suzuki GT 750 und RE-5 Wankel,
Yamaha RD250/350/400 und TZ 250/350/750:

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Ich war Tester, Messknecht und Organisator; Lucke Braun war Assistent und Fotofahrer, Peter Limmert
war Texter, Kommunist und Philosoph, Rolf Seufferle war Grafiker, Uli Schwab war Fotograf und
Peter Dzida für 50er Kleinkrafträder zuständig. Wir hielten uns für den Mittelpunkt der Welt.

Mädchen und Motorräder hießen die beiden wichtigen Bereiche damals. Rolf und ich fuhren ein im
Herbst 1975 mal mehr eine große Feierabendrunde mit der Dauertest-Kawasaki Z 900, jeder hatte
eine Blume auf dem Sozius. Meine Stammsozia Brigitte wußte, wie sie sich hintendrauf zu verhalten
hatte; aber dem Rolf seine war nicht nur frisch und blond, sondern auch etwas unterbelichtet:
Sie hielt sich weder beim Beschleunigen noch beim Bremsen am Fahrer fest und dementsprechend
baumelte sie wie ein nasser Sack nach hinten und nach vorne.

„Des isch so, als wenn dir Frankensteins Tochter en Knüppel ins Kreuz schlägt“ fasste Rolf nach
unserer „Test“-Fahrt zusammen. Das schnappte der Peter Dzida auf und als er von einer Testfahrt
im saukalten Januar 1976 zurückkam, hatte er nur noch Frankensteiner im Kopf – und der Limmert
textete daraus den Slogan „Frankensteins Tochter“ für den Test der Z 900 in MOTORRAD 4/1976
vom 21. Februar: „Wissen Sie, was er Horror-Trip ist? Halten Sie den Gasgriff so lange geöffnet,
bis 9000/min erreicht sind und schalten dann blitzschnell einen Gang höher – Frankensteins Tochter
schlägt Ihnen einen Knüppel ins Kreuz“
, so der Vorspann damals.

Gezeichnet war der Test von –fjs–; das war mein Kürzel damals.

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Die Kawa 900 war schon seit 1973 als Kraftpaket bekannt; ich fuhr sie für den Nürburgringtest
auf der Nordschleife und sie lief bei der schnellsten Messung auf der Döttinger Höhe tatsächlich
227 km/h. Nur so zum Vergleich: Eine Honda CB 750 ging 195 km/h, eine Ducati 750 SS nicht
viel mehr; die 200er-Schallmauer war noch lange nicht durchgängig geknackt.

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Dafür wackelten die Motorräder wie Lämmerschwänze, und gerade das trieb in uns das Adrenalin
hoch bis in die Haarspitzen! Wir hielten uns für mutig...

903 ccm hatte die Z 900 im Modelljahr 1976, sie leistete 81 DIN-PS bei 8000/min und hatte ein
maximales Drehmoment von 74 Nm. Die Spitze war liegend 217,2 km/h; sitzend lief sie 207,1.

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Der Preis war 8.500 D-Mark (ca. 4250 Euro). Lachen Sie bitte nicht :lol: :lol: , das war damals
„Top of the Bike World“.

Sollten Sie dennoch lachen, schlägt Ihnen Frankenstein persönlich einen Knüppel ins Kreuz ....

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Mit freundlichem Frankenstein-Lächeln,

Franz Josef Schermer

Ach ja, was mir eben noch einfällt: MOTORRAD verkaufte damals (1976) alle 14 Tage so um
die 300.000 Hefte; heute (2011) sind es noch etwas über 100.000. Irgendetwas war anders, gell?



Danke an Franz Schermer für den Text. Die Bilder sind aus seinem Archiv, also "Copyright Archiv Schermer" !!
Grüße - Peter
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Re: Warum Frankensteins Tochter so heißt wie sie heißt

Beitragvon Adi » Mi 23. Mai 2012, 18:32

Danke Franz !
uns macht es immer wieder Spaß, den Leuten, die danach fragen - und das sind nicht wenige - die Geschichte, wenigstens im Groben zu erklären. Mit deinem Beitrag hier rückst du irgendwie näher ran, bist "einer von uns". Das macht mich stolz !
bis denne Adi
15. WARSTEINER KAWASAKI-Z Teffen am 08.-10.06.2018
unter besonderer Würdigung der Z1R
...wo wir sind, ist der grüne Bereich!


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